TOP Ö 5: Machbarkeitsstudie für das Archäologische Zentrum Hitzacker

Beschluss: Kenntnis genommen

Die Museumsberaterin Frau Dr. Beate Bollmann hat im Auftrag der Stadt Hitzacker (Elbe) die vorliegende Machbarkeitsstudie für das Archäologische Zentrum Hitzacker erstellt. Da Ausführungen auf S. 94 versehentlich „durcheinander geraten“ sind, wird in der Sitzung eine aktualisierte Fassung der Seite vorgelegt. Diese ist der Niederschrift als Anlage I beigefügt.

Die Vorstellung der Ergebnisse der Machbarkeitsstudie erfolgte an Hand einer PowerPoint-Präsentation. Die Präsentation, sowie der von Frau Dr. Bollmann im Detail gehaltente Vortrag, sind der Niederschrift als Anlage II und III beigefügt.

 

Nach dem Vortrag ergibt sich eine rege Diskussion.

BM Mertins stellt fest, dass die Stadt Hitzacker (Elbe) grundsätzlich hinter dem Archäologischen Zentrum Hitzacker steht. Der Vortrag hat den Eindruck vermittelt, dass es bisher nicht so war. Um sich der bedeutenden Einrichtung anzunehmen, wurde eigens ein Fachausschuss für das Archäologische Zentrum Hitzacker gegründet.

Rh Dr. Jastram weist darauf hin, dass das Archäologische Zentrum Hitzacker z.Zt. 14.000 Besucher verzeichnen kann. Mehr sind auf Grund des vorliegenden Gutachtens der Fa. Inspektour GmbH nicht erreichbar. Er macht deutlich, dass es sich hierbei auch um Besucher handelt, die z.B. bei der Durchführung des „Alten Marktes“ keinen Eintritt bezahlen und stellt die Frage, woher die „neuen“ Besucher kommen sollen, die über die Zahl von 14.000 hinausgehen. Frau Dr. Bollmann stellt hierzu fest, dass Fa. Inspektour GmbH bei Beibehaltung des Status Quo erreichbare Besucherzahlen von 14.000 prognostiziert hat. Diese Besucherzahl ist erreicht worden, obwohl der Status Quo nicht beibehalten worden ist.

Inzwischen sind die Öffnungszeiten und der Personalbestand reduziert worden. Frau Dr. Bollmann sieht ein Entwicklungspotential i.S. des von Fa. Inspektour GmbH skizzierten Szenario 4, mit dem sich 20.000 Besucher erreichen lassen. Anders, als seinerzeit untersucht, sollte die Erweiterung inhaltlicher Natur sein. Sie persönlich hält eine Erhöhung der Besucherzahlen von 18.000 – 20.000 für realistisch. Potential besteht gerade bei den Touristen durch die Vermittlung von konkreten Angeboten mit klarem Profil. Die Tatsache, dass auch nichtzahlende Besucher gezählt werden, ist unerheblich. Auch nichtzahlenden Besuchern werden Informationen vermittelt, sie gehen in den Museumsshop und spenden.

Grundsätzlich weist sie in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Vermarktung regional und zentral erfolgen muss. Einzelnen Einrichtungen sind hier Grenzen gesetzt.

 

Rh Dr. Jastram vertritt die Auffassung, dass das Erlebnis im Archäologischen Zentrum Hitzacker derzeit nur bei der Buchung von Angeboten möglich ist und stellt die Frage, wie ein Erlebnischarakter auch Einzelbesuchern vermittelt werden kann.

Hier gilt es aus Sicht von Frau Dr. Bollmann MitMachAngebote für Einzelbesucher zu schaffen, die ohne Inanspruchnahme der Mitarbeiter erlebbar sind, und die bereits vorhanden Angebote zu optimieren, da sie zum Teil veraltet sind. Hierfür sind gute didaktische Ideen nötig, die Zeit und Finanzierungsmittel erfordern. Die Finanzierungsmittel sind hierbei zunächst nachrangig. Allen Beteiligten muss klar sein, dass die Attraktivität des Freilichtmuseums für die Zukunft entscheidend sein wird.

 

BM Mertins verweist auf die Initiative WASA „2 kommen – 1 bezahlt“, die zu keinem nennenswerten Erfolg im Archäologischen Zentrum Hitzacker geführt hat und skizziert weitere denkbare Ansprachen z.B. VW-Werk in Wolfsburg.

Frau Dr. Bollmann warnt vor Aktionismus. Nötig ist derzeit allein eine konkrete Strategie, ansonsten werden alle Initiativen ohne Erfolg sein. Aus diesem Grunde gilt es als oberstes Ziel, diesen Prozess in Gang zu setzen. Hierbei rät sie allen Beteiligten dringend dazu, die Bedeutung des Archäologischen Zentrums Hitzacker optimistisch hervorzuheben.

 

Rh Fröhlich fragt an, ob es Berechnungen für die dargestellte Aufwärtsspirale gibt und ob sie geeignet ist, zu einem verminderten Defizit der Einrichtung zu führen. Aus seiner Sicht ist es nötig, das Risiko dahingehend auszuschließen, dass sich durch zusätzliche Investitionen keine Mehreinnahmen erzielen lassen. Hierbei sollten auch Änderungen im Verbraucherverhalten Berücksichtigung finden.

Frau Dr. Bollmann teilt mit, dass konkrete Berechnungen nicht möglich sind, dazu ist die Museumswelt zu vielfältig. Ergebnisse sich abhängig vom Besucherpotential und der Marktsituation. Ein gutes Beispiel bildet aus ihrer Sicht das „Freilichtmuseum Am Kiekeberg“. Hier gilt es „nicht stehen zu bleiben“ und immer wieder Veränderungen und neue Angebote zu schaffen, so dass Erfolge trotz der Zunahme von Konkurrenten verzeichnet werden können.

Eine Veränderung im Verbraucherverhalten lässt sich statistisch nicht belegen. Die Zahl der Museumsbesucher nimmt grundsätzlich zu.

Sie weist darauf hin, dass Klarheit darüber bestehen muss, dass Museen immer defizitär betrieben werden. Dennoch ist für die Stadt Hitzacker (Elbe) realistisch eine Entlastung zu erwarten, wenn die Anzahl der Besucher auf 20.000 gesteigert und dadurch Mehreinnahmen von rd. 25.000,00 € erzielt werden können. Auch im Bereich Fundraising lassen sich durch eine Imageverbesserung zusätzliche Einnahmen erzielen.

Herr Paardekooper unterstreicht die Ansicht, dass eine positive Öffentlichkeitsarbeit positive Effekte erwarten lässt und macht es an den Erfolgen des „Archäologischen Freilichtmuseums Oerlinghausen“ deutlich.

Der dort bestehende „Schatz“ wird in der Grundhaltung der Politik deutlich, dieses wird mit allen verfügbaren Medien unterstrichen.

 

Rh Heins fragt an, ob im Interesse der zusätzlichen Mittelakquirierung auch die Entwicklung eines Gemeinschaftskonzeptes mit der Biosphärenreservatsverwaltung denkbar ist. Frau Dr. Bollmann hält es grundsätzlich für sinnvoll, Gespräche zu führen und gibt dennoch zu bedenken, dass sich die Biosphärenreservatsverwaltung vorwiegend im Bereich der Umweltbildung engagiert. Aber auch hier gilt es, konkrete Ideen zu entwickeln. Möglicherweise lässt sich in die Ausbildung der zertifizierten Natur- und Landschaftsführer ein prähistorischer Blick integrieren.

Museumsleiterin Braun weist darauf hin, dass eine Zusammenarbeit bereits erfolgt.

 

Rh Wedler zeigt sich enttäuscht von der vorliegenden Machbarkeitsstudie. Die Ausführungen zur Schließung sind seines Erachtens überflüssig. Auch die Hinweise auf personelle Engpässe sind nichts Neues. Er betont, dass es Ziel ist, die Einrichtung zu erhalten. Die Erwartung an das Ergebnis der Machbarkeitsstudie war die Antwort auf die Frage nach dem „Wie?“.

Möglicherweise kann sie aber Grundlage für die weitere Arbeit der Expertenrunde „Zukunftsschmiede“ sein. Insoweit hat er die Hoffnung, dass sich auf Grundlage der Machbarkeitsstudie konkrete Ideen entwickeln lassen.

Frau Dr. Bollmann betont, dass es der Stadt Hitzacker (Elbe) obliegt, die von ihr im Rahmen der Machbarkeitsstudie vorgeschlagenen Maßnahmen zu ergreifen. Sie verfügt über eine wertvolle Einrichtung, die positive Anerkennung benötigt. Die Überzeugung der Stadt Hitzacker (Elbe) muss deutlich gezeigt werden. Aus diesem Grunde rät sie dringend dazu, zukünftig davon abzusehen, Finanzen in den Vordergrund zu stellen und von Formulierungen wie „Wir wollen das AZH erhalten, aber …...“. abzusehen. Jede zukünftig getroffene Maßnahme wird zur Verbesserung der Situation beitragen. Sofern keine zukunftsweisenden Maßnahmen getroffen werden, wird die Stadt Hitzacker (Elbe) das Freilichtmuseum „an die Wand fahren“. Es ist aus Sicht von Frau Dr. Bollmann dann nur eine Frage der Zeit. Die Stadt Hitzacker (Elbe) wird dann mit den Konsequenzen leben müssen.

Rh Fröhlich weist darauf hin, dass es keine Antihaltung gegen das Archäologische Zentrum Hitzacker gibt. Die Stadt Hitzacker (Elbe) unterliegt finanziellen Zwängen, ist grundsätzlich aber bereit, neue Wege zu gehen. Aus seiner Sicht ist fraglich, ob in der Bevölkerung die Bereitschaft besteht, das Archäologische Zentrum Hitzacker mitzutragen. Er verweist auf das Publikum, das keine neuen Gesichter erkennen lässt. Auch hier ist eine umfassende Imageverbesserung mit  Überzeugungsarbeit erforderlich. Er gibt jedoch zu bedenken, dass der erforderliche Umfang ehrenamtliche Ratsmitglieder überfordern wird.

Herr Roggelin, der ebenfalls der Ansicht ist, dass eine Identifikation der Bevölkerung mit dem Archäologischen Zentrum Hitzacker fehlt, schlägt vor, deutlich werden zu lassen, dass die Einrichtung Teil der Lebensqualität in Hitzacker (Elbe) ist.

Auch Herr Beberstedt betont die Notwendigkeit für ein positives Image. Dieses erfordert seines Erachtens ein gemeinsames Auftreten von Stadt Hitzacker (Elbe) und dem Förderverein Archäologisches Zentrum Hitzacker e.V.. Er bedauert, dass in den letzten 2 Jahren zu viel Energie durch Diskussionen „verplempert“ worden ist. Es ist an der Zeit, gemeinsam Ziele zu verfolgen. Aus seiner Sicht hätten wir heute bereits viel weiter sein können.

Gemeinsam sollte ein Aufbruch erfolgen, um aus der „Angstecke“ zu rücken und dem Archäologischen Zentrum Hitzacker den nötigen Rückhalt zu bieten.

Frau Dr. Bollmann unterstreicht den Bedarf für eine mutige und optimistische Zielsetzung und verweist auf Museen, denen die Vermittlung einer positiven Grundhaltung gelingt, obwohl sie ebenfalls Zwängen unterliegen. Denn kaum eine Einrichtung hat keine Finanzierungsprobleme.

Dr. Jastram stellt fest, dass die Vermittlung entscheidend sein wird. Die fehlenden Aktivangebote im Sinne des „Erlebens“ sind, sofern die Stadt Hitzacker (Elbe) will, aus seiner Sicht machbar.

 

Herr Wieczorek übt Kritik an dem Namen „Archäologisches Zentrum Hitzacker“, der seines Erachtens nicht erkennen lässt, dass es sich um ein Museum handelt.

Frau Dr. Bollmann weist darauf hin, dass der Name „egal“ ist. Allein der Inhalt ist entscheidend.

 

Stellv. Stadtdirektor Kern stellt abschließend fest, dass als vorrangiger Schritt grundsätzlich eine positive Darstellung zu erzielen ist. Im Übrigen weist er darauf hin, dass auch aus finanziellen Gründen ein Weiterbetrieb der Einrichtung notwendig ist, da Zweckbindefristen für eingeworbene Finanzierungsmittel noch nicht verstrichen sind.

Es ist aus seiner Sicht wünschenswert, dass der gesamte Rat der Stadt Hitzacker (Elbe) sich mit der Einrichtung identifiziert. Die Teilnahme aller Ratsmitglieder anlässlich der Einweihung der Fahrradstation hätte ein positives Signal sein können. Hierfür werden sich weitere Veranstaltungen im Archäologischen Zentrum Hitzacker anbieten, die auch ein Kennenlernen aller Angebote ermöglichen.

 

Herr Wieczorek gibt einen Rückblick über das von ihm in der Vergangenheit vorgeschlagene Projekt „Stelzendorf“, das seines Erachtens auch eine Stärkung des Archäologischen Zentrum Hitzacker zur Folge hätte. Er appelliert an die Stadt Hitzacker (Elbe) die Projektidee weiterzuverfolgen. Zusätzliche Ferienwohnungen führen zu mehr Gästen, die Infrastruktur ist durch das Archäologische Zentrum Hitzacker, den Spiel- und Mehrzweckplatz vorhanden.