TOP Ö 5: Überlegungen zur Schulentwicklung im Landkreis Lüchow-Dannenberg

Beschluss: Kenntnis genommen

AV Hoffheinz erteilt Herrn Thiele, Schulleiter des Fritz-Reuter-Gymnasiums sowie Frau Schulz, Fachdienstleiterin „Jugend-Familie-Bildung“ beim Landkreis Lüchow-Dannenberg das Wort.

 

Herr Thiele stellt die Ideen zur Schulstrukturentwicklung anhand einer Powerpoint-Präsentation vor. Diese Präsentation liegt der Niederschrift als Anlage I bei.

 

Herr Thiele erläutert den Zusammenschluss zu einer Arbeitsgruppe aus mehreren Schulleiterinnen und Schulleitern der weiterführenden Schulen im Landkreis. Die AG wollte mit ihrem Zusammenschluss einen neuen Weg bereiten und gegen die innere Lähmung angehen, die durch die Unsicherheit und Existenzangst bei der aktuellen Schulentwicklung vorhanden sind. Regierungswechsel, Umgestaltung Oberschulen, Schulschließungen, G8/G9 sind nur Stichworte der Entwicklung. Die AG wollte den Status Quo feststellen und stellte sich die Frage: „Wie geht es weiter?“. Diese Idee ist nur ein möglicher Weg und stellt kein festes Konzept dar.

 

Frau Schulz ergänzt, dass hier in der Region eine neue Schulstruktur nicht ausreichend erscheint, es sollten vielmehr neue Bildungslandschaften geschaffen und gelebt werden. Gerade hier im ländlichen Raum bietet es sich an eine Art „Modellregion Bildung“ zu erschaffen.

Die erarbeiteten Linien sollen jedoch kein gezwungener vorgegebener Weg sein.

 

Der AG war sehr daran gelegen den Kreistagsbeschluss von 2009 umzusetzen und die Ziele

-       Erhalt der fünf Schulstandorte

-       Verbesserung der pädagogischen Qualität

-       Steigerung der Zahl höherwertiger Abschlüsse

-       Erhalt der Vielfalt und Qualität der schulischen Angebote

nicht aus den Augen zu verlieren. Die Umsetzung dieser Ziele ist durch die Kooperationen der Schulen und Entwicklung von schulformübergreifenden Konzepten durchaus realistisch, so Herr Thiele. Einige Kooperationen bestehen bereits seit mehreren Jahren, insbesondere zur BBS in Lüchow.

 

Die Weiterentwicklung wäre möglich z.B.

Ab Schuljahr 2014/2015: Ausbau der Kooperation der Schulen unter Einschluss der Förderschulen an den Standorten Lüchow und Dannenberg über den Ganztagsbereich hinaus.

Förderunterricht, Hausaufgabenbetreuung und Zusatzangebote (z.B. weitere Fremdsprachen) wären möglich, genau wie gemeinsamer Unterricht in einzelnen Lerngruppen (Sport, Kunst, Musik) sowie gemeinsamer differenzierter Unterricht (z.B. Mathematik und Fremdsprachen).

Schuljahr 2014/2015: Weiterentwicklung der KGS Clenze zur „Gesamtschule“

Schuljahr 2016/2017: Gründung einer Oberschule mit den beiden Standorten Hitzacker und Dannenberg (Zusammenführung BVS und NBS)

Schuljahr 2019/2020 Ein Kreisgymnasium mit den beiden Standorten Dannenberg und Lüchow, ein weiterer SEK II-Standort in Clenze und ggfs. die Integration des beruflichen Gymnasiums.

Schuljahr 2020/2021 Eine Kreisoberschule mit den Standorten Dannenberg, Hitzacker, Lüchow und evtl. sogar Gartow.

Vielleicht dann ab dem Schuljahr 2024/2025 dann EINE Kreisschule Lüchow-Dannenberg unter dem Aspekt die standortspezifischen Stärken der einzelnen Schulen zu berücksichtigen.

Z.B. Standort Lüchow für Technik und Wirtschaft

Standort Clenze für Musik und Kunst

Standort Dannenberg für Mathematik und Sprachen.

Frau Schulz erläutert, dass die Punkte, die momentan nicht schulgesetzkonform sind dennoch zukünftig denkbar wären. Die Politik muss ihren Willen formulieren und sich mutig an neu entwickelte Konzepte herantrauen und diese gemeinsam mit Schulen, Eltern und vor allem den Kindern tragen.

 

Es ist erschreckend, dass die Zahl der Schulverweigerer stetig ansteigt, auch diese müssen in den neu entwickelten Bildungslandschaften aufgefangen werden. Es müssen feste örtliche Verbindungen zwischen Kindergarten, Grundschule, weiterführende Schule, Jugendzentrum und sogar Vereinen geschaffen werden und wachsen. Gemeinsam muss ein Lernklima geschaffen werden, in dem die Kinder wachsen können.

Das vorhandene Potenzial der Kinder muss gefördert werden. Ggfs. muss im häuslichen Bereich die Basis gestellt werden, deshalb ist auch die Schulsozialarbeit von großer Bedeutung für zukünftige Konzepte.

 

Es gibt Rückmeldungen von Ausbildungsbetrieben, dass 1/5 der Schulabgänger nicht der geforderten Norm entspricht und deshalb für eine Ausbildung nicht in Betracht kommen, so Frau Schulz.

 

AV Hoffheinz bedankt sich für die umfangreiche Ausführung und empfindet den vorgestellten Weg als gelungene Umsetzung der Wünsche der Politik aus dem Jahre 2009. Seiner Ansicht nach sollten noch Feinheiten erarbeitet und die Betroffenen in das Verfahren eingebunden werden.

 

Herr Hupp möchte anmerken wie fortschrittlich doch die Samtgemeinde Elbtalaue ist, die genau dieses, eine Kooperation zwischen Grundschule, weiterführender Schule, Bücherei und ggfs. sogar Jugendzentrum als „Haus des Lernens“ bereits im Jahr 2012 zu planen begann, dieses wurde jedoch vom Landkreis nicht ausreichend unterstützt und somit von der Landesschulbehörde abgelehnt.

Er ist sehr erstaunt, dass solche Bildungslandschaften nun jedoch kreisweit geplant werden.

 

Frau Schulz ist der Ansicht, dass das Konzept in Hitzacker seinerzeit leider nicht von allen Beteiligten mitgetragen und somit gelebt wurde.

 

Rh Schaper-Biemann findet die Art und Weise des Entstehens des vorgestellten Konzeptes sehr fragwürdig. Weder Eltern noch Lehrer waren informiert oder beteiligt. Der Landrat als Verwaltungsspitze war nicht involviert. Die Treffen der AG waren geheim und die Entwicklung wurde an der Politik vorbei eingeführt. Er möchte außerdem wissen, warum keine alternativen Konzepte erwogen und erfasst wurden.

 

Frau Schulz erläutert, dass sie seit 30 Jahren Beschlüsse der Politik umsetzt und Gremienbeschlüsse vorbereitet und der gewählte Weg nicht entgegen einer üblichen Form erfolgte. Die AG hat sich auf Initiative einiger Schulleiter gebildet, sie selbst ist eingeladen worden sich zu beteiligen. Außerdem möchte Frau Schulz nochmals betonen, dass es sich nicht um ein fertiges Konzept handelt, es ist nur eine Richtung, ein Vorschlag der AG, eine eigene entwickelte Alternative zur derzeitigen Schullandschaft.

 

Herr Sauck findet es gut, dass sich die Arbeitsgruppe mit der Entwicklung der Schulstruktur beschäftigt hat, er selbst würde gern mehr über die Effekte erfahren, welche konkreten Ziele zur Standorterhaltung verfolgt werden. Besonders lobenswert findet er den Ansatz die pädagogische Arbeit auch in das häusliche Umfeld zu tragen. Einzige Angst für ihn ist bei einer zentralen Kreisschule, dass die bisherige Vielfalt in den Angeboten verloren geht.

 

Frau Schulz erklärt, dass es ihr persönlich am Herzen liegt, die Eltern ins Boot zu holen und die häuslichen Grundlagen zu verbessern und individuelle Hilfestellungen anzubieten. Ihr ist außerdem wichtig, die Randgebiete wie Gartow und Neu Darchau zu beachten. Schülerbeförderungsströme sollten verringert werden, um den Kindern ein bißchen mehr Freizeit zu bescheren. Im Februar wird es weitere Termine der AG geben und es wird mit der Detailarbeit begonnen.

 

Herr Thiele ergänzt, dass der permanente Druck der Standortbedrohung für die Schulleiter aufhören muss, die ewige Diskussion, was das Beste für die eigene Schule ist, muss aufhören. Die pädagogische Qualität und die Kinder sollten in den Fokus rücken.

 

Rh Hanke ist zufrieden, dass dieses Thema angegangen wurde. Der Aufbau der Idee, sowie der Leitsatz „Erhalt der 5 Stadtorte“  gefallen ihm persönlich gut. Einzig Ideen zur Reduzierung der Schülerströme fehlen ihm. Der Schülertourismus muss aufhören. Dies ist schon eine materielle Rechnung, da die Schülerbeförderungskosten für unseren Landkreis schlichtweg zu hoch sind.

 

Herr Kamp spricht der Arbeitsgruppe ein großes Lob für die Entwicklung dieser Idee aus. Ein großes Problem der Region Lüchow-Dannenberg ist jedoch leider, dass es einfach zu viele Schulen für zu wenige Kinder gibt. Die Erhaltung von SEK II-Bereichen an fünf Schulstandorten hält er für unrealistisch. Der eine oder andere Standort wird den schwindenden Schülerzahlen zum Opfer fallen müssen. Auch die Ansiedlung bekannter Privatschulen sieht er in diesem Zuge kritisch, diese kosten die öffentlichen Schulen jedes Jahr wieder viele Schüler.

 

Die Schülerzahlen haben sich in den letzten Jahren fast halbiert, diese Erkenntnis muss in die Köpfe. Es wird irgendwann unmöglich sein im SEK II-Bereich alle Standorte zu halten.

Die Grundschulen muss man differenzierter betrachten.

Jedoch stellt er die Sinnhaftigkeit von Schulen mit Klassen von 12 Schülern und weniger in Frage. Die Kinder müssen das Recht haben „echte Schule“ erleben zu dürfen.

 

Die Schülerströme sowie den Schülertourismus hier im Landkreis empfindet er persönlich als katastrophal. Dieses muss einer der wichtigsten Punkte eines neuen Konzeptes werden.

 

Auch die Schaffung von Außenstellen sieht er sehr kritisch, da erfahrungsgemäß die Außenstelle schleichend stirbt und die Zentrale bestehen bleibt. Dort bedarf es noch großer Detailarbeit.

In dieser Weiterarbeit sollten mögliche Schließungen berücksichtigt werden, um ein reales Konzept zu erschaffen.

 

Frau Schulz ist der Ansicht, dass in dieser ländlichen Region nicht auf Bestimmungen geritten werden sollte. Hier müssen individuelle Bildungskonzepte erstellt werden und diese fordert sie auch ein. Sie persönlich wird keine Schließung von Schulen gar eines Standortes aufgrund der geforderten Sparpolitik vorschlagen. Jede Schule ist es wert umkämpft zu werden. Außerdem würden Schulschließungen noch mehr Bewegung in die Schülerströme bringen.

Sie mahnt, dass unsere Region nicht mit Großstädten oder Ballungszentren verglichen werden darf. Hier ist Schule anders und dies wird sich nicht ändern.

 

Rf Sander fragt sich, wie es sein kann, dass private Schulen mit 14 Schülern arbeiten dürfen, während staatliche Schulen schon ab 50 Schülern zittern und ihre Schließung ansteht. Kein Schulträger kann es sich leisten bei solch geringen Schülerzahlen Fachräume oder Material vorzuhalten.

 

Die Sitzung wird von 19:45 Uhr bis 20:30 Uhr unterbrochen, um die anwesenden Gäste zu Wort kommen zu lassen.

 

Von den Gästen werden hauptsächlich die herrschenden Schülerströme und langen Busfahrtzeiten kritisiert, dieses sollte in einem kreisweiten Schulkonzept dringend verbessert werden. Die KGS Clenze wird immer mehr zum Schülermagnet, die Gründe dafür sollten ergründet und ggfs. in die Planungen einbezogen werden.

 

Einige anwesende Eltern möchten sich gern beteiligen, doch noch weiß niemand wie genau eine Elternarbeit aussehen könnte.

Herr Hupp sieht in der Mitarbeit der Eltern ein Problem: Die fehlende Fachkompetenz. Seiner Ansicht nach sind die Schulleiter die richtigen Initiatoren einer neuen Idee, da diese das Fachwissen und den persönlichen Willen an Veränderung besitzen.

 

Weiterer großer Kritikpunkt unter den Gästen ist dennoch die Methode der Entstehung der Idee zur Schulentwicklung und dass der „Rote Faden“ der Idee die komplette Zentralisierung der Schulen ist. Die Eltern und Politiker aus dem Nordkreis fürchten ihre Schulen zu verlieren und Lüchow ggfs. zusammen mit Clenze als Bildungszentralen zu erhalten.

 

Die Gestaltung, dass man offen zwischen den Schulformen wählen und wechseln kann, wird begrüßt.

 

Frau Daumann berichtet aus ihrem Alltag, dass sie bereits vermehrt von Eltern angesprochen wurden, weil diese absolut verunsichert sind und nicht mehr wissen, wo sie ihre Kinder anmelden sollen. Deshalb sollten in absehbarer Zukunft erste Ziele für den Weg der Schulpolitik gestellt werden, um die Unsicherheiten bei Eltern, Lehrern und auch Schulleitern einzudämmen.

Ihrer Meinung nach müssen auch die Kindertagestagesstätten involviert werden, durch das Projekt „Brückenjahr“ sind die ersten Vernetzungen bereits hergestellt.

 

Abschließend bittet Frau Schulz die Samtgemeinde Elbtalaue sich eigene Gedanken zu machen, um eigene örtliche Lösungswege zu schaffen. Jede Kommune sollte für ihre eigenen Schulen, auch die Weiterführenden, selbst Stellung beziehen und eine gewisse Verantwortung tragen.

Vielleicht durch die Bildung eigener Arbeitsgruppen, die Bausteine für den künftigen Schulentwicklungsplan ausarbeiten.

 

AV Hoffheinz bedankt sich für die Ausführungen und den regen Informations- und Meinungsaustausch. Er stellt fest, dass dieses Thema uns zukünftig weiter begleiten wird.