TOP Ö 5: Projekt Lesestart Elbtalaue

Beschluss: Kenntnis genommen

AV Voß erteilt der Leiterin der Bücherei Hitzacker Frau Lindner das Wort.

Frau Lindner berichtet vom Projekt „Lesestart“, welches nun schon im 3. Jahr in der Nicolas-Born-Bibliothek läuft.

 

Bereits seit November 2010 bietet die Bücherei alle drei Bausteine des Projektes an:

 

1. Baustein: Verteilung einer Lesestart-Tasche an jedes Kleinkind der Samtgemeinde durch den Kinderarzt bei der U3 (Entwicklungsuntersuchung bei Kleinkindern zwischen dem 9. Und 12. Lebensmonat). In dieser Tasche befindet sich Werbematerial der Sparkasse, da das Projekt durch die Sparkassenstiftung gefördert wird sowie ein Pappbuch für Kleinkinder, eine Tischunterlage mit Kinderreimen rund ums Essen, Informationen für die Eltern über die Wichtigkeit des frühkindlichen Lesens und ein Büchereigutschein.

 

2. Baustein: Die Kontaktaufnahme mit den Krippen und Kindergärten, gegenseitige Besuche in den Einrichtungen, Heranführung der Kleinen an die Benutzung von Büchern sowie Angebote und Veranstaltungen wie z.B. „Reime für Kleine“, Bilderbuchkino und mobile Bücherkiste.

 

3. Baustein: Hier geht es darum die Schulkinder ab der 2. Klasse zu erreichen und ihnen die Welt der Erstlesebücher aufzuzeigen. Die Schulklassen der Samtgemeinde sollten möglichst kontinuierlich begleitet werden, es werden Bücherkisten zu bestimmten Themen des Unterrichts gepackt, es gibt Buchvorstellungen und Besuche in der Bücherei. Es stehen sogar Bücherkisten zur Rückgabe ausgeliehener Bücher in einigen Grundschulen.

 

Die Zusammenarbeit im Rahmen dieses Projektes klappt ausgezeichnet, so Frau Lindner, diese Vernetzung ist ein schöner Nebeneffekt. Ein weiteres Plus des Projektes ist, dass der Bestand der Kleinkinder- und Erstlesebücher enorm gewachsen ist.

 

Das Projekt wird ins 4. Jahr gehen, danach ist ein Nachfolgeprojekt geplant, leider ist der Beginn erst im Jahre 2016 möglich, somit wären 3 Jahre zu überbrücken, um den Erfolg des Projektes nicht wieder einschlafen zu lassen.

 

Frau Scharf ergänzt, dass sie ganz aktuell erfahren hat, dass die Sparkassen-Kulturstiftung das Projektes „Lesestart“ für die Jahre 2013 bis 2015 mit jeweils 3.000,- Euro jährlich fördert.

 

Alle Anwesenden sind über diese positive Meldung hocherfreut.

 

Herr Pieterek ist sehr überzeugt von der Wichtigkeit dieses Projektes, Kinder müssen Lesen dürfen, sie müssen die Freude an Büchern entdecken und für sich bewahren. Leider können viele junge Eltern gar nicht mehr richtig vorlesen und „parken“ ihre Kinder lieber vor dem Fernseher oder dem PC.

 

Diesen Zustand bezeichnet Frau Lindner äußerst treffend als „Digitale Demenz“.

Aber das Projekt zeigt einen stetigen Anstieg in der Ausleihe von Kleinkinderbüchern, so Frau Fricke, teilweise stehen 4-5 Kinderwagen in der Bücherei und die Eltern suchen mit ihren Kindern Bücher aus oder lesen mit ihnen vor Ort.

 

Herr Christiansen stellt fest, dass vielen Eltern heutzutage wichtige Kernkompetenzen wie z. B. das Lesen und Vorlesen fehlen, sie sind auch mit solchen Angeboten schlichtweg überfordert.

Es sollten Elternkurse zur Stärkung der Kernkompetenzen im Kleinkindalter angeboten werden, leider haben diese Kurse den Kreisjugendausschuss nicht überzeugen können.

 

AV Voß berichtet, dass früher zuhause täglich vorgelesen und gelesen wurde, die Kinder bettelten förmlich danach, dieses Ritual muss von einer nachfolgenden Generation vollkommen vernachlässigt worden sein, so dass die jetzigen Eltern es auch versäumen.

 

Herr Pieterek berichtet, dass 27,8 % der Kinder eines Jahrganges Sprachauffälligkeiten aufweisen, viele Eltern können selbst nur schlecht lesen, schreiben und sprechen – die Schere zwischen Nichtqualifikation und Fachkräften wird dadurch immer weiter.

 

Rf Mischke hält den Aufbau des Projektes für sehr geeignet, um die Leselust und den Spaß an Wort und Schrift bei den Kleinkindern zu wecken. Selbst Eltern, die nicht lesen können oder nur wenig, können mit ihren Kindern Bilderbücher anschauen und eigene Geschichten erfinden. Viele Eltern kennen leider auch kaum mehr Kinderlieder, Reime und Fingerspiele, die in der Kleinstkindpädagogik einen sehr hohen Stellenwert haben.

 

Herr Christiansen stellt fest, dass hier die Eltern gefordert sind, man kann nur versuchen ein wenig eigene Kompetenz auf sie zu übertragen.

 

AV Voß bedankt sich bei Frau Lindner und Frau Fricke für die Vorstellung des Projektes und hofft auf erneute Zwischenberichte.